Geschichte


Anfang der 70-er Jahre begann in Deutschland die Suche nach einer geeigneten Wildart als Alternative zur landwirtschaftlichen Produktion mit traditionellen Haustieren wie Rind, Schaf, Ziege und Pferd. Seit 1971 wird Damwild in Gehegen für die Zucht und Fleischproduktion zur Nutzung von Grün- und Brachland gehalten. Nach kritischer Wertung vorhandener Ergebnisse aus der Literatur und zahlreichen Wildgehegen im In- und Ausland, sowie unter Berücksichtigung der Standortverhältnisse in Deutschland, ergaben sich Vorteile nur für Dam- und Rotwild. Die Entscheidung zwischen Dam- und Rotwild konnte erst unter Berücksichtigung zahlreicher Faktoren getroffen werden:

  • Bessere Gewöhnung an den Menschen
  • Eignung zu Gräser reichem Futter
  • gute Futterverwertung
  • bessere Fleischqualität
  • hervorragendes Abäsen von Flächen
  • Eignung niedriger Zäune
  • erwiesene Fähigkeit, dass hohe Tierzahlen ohne Nachteile auf einer Fläche leben können 

Aufgrund der o. g. positiven Kriterien wurde 1973 eine Anlage für Versuche der Damtierhaltung in der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierhaltung Haus Riswick in Kleve der Landwirtschaftskammer Rheinland errichtet, welche von Dr. Johannes Coenen geführt war. Auf einer Fläche von 4,4 ha wurden 28 Damtiere und 1 Hirsch gehalten. 1974, circa ein Jahr später, wurden im Sauerland die Betriebe "Friedrich Bommert" und "Josef Rüssmann" gegründet, die auch als Versuchsbetriebe dienten. Die wissenschaftliche Begleitung der Versuche wurde vom Prof. Dr. Günter Reinken - Abteilungsleiter bei der Landwirtschaftskammer Rheinland (Produktionstechnik), Dr. Eckart Körner - Direktor des Tiergesundheitsamtes der Landwirtschaftskammer Rheinland (Bekämpfung der Krankheiten und Maßnahmen zur Gesunderhaltung in Damtierbeständen) und  Prof. Dr. Wilhelm Hartfiel - Leiter der Abteilung Tierernährung der Universität Bonn (Futtermittelkunde und Fütterung), übernommen. Aufgrund der guten praktischen Ergebnisse in der Haltung und Vermarktung vom Damwild, besonders bei Nutzung vom Brachland, Grenzlandböden und Restgrünland, wurden von 1976 bis 1979 in Nordrhein-Westfalen 46 Erprobungsbetriebe gegründet. Damit war es möglich, unter den verschiedensten Standort- und Klimaverhältnissen mehrjährige Erfahrungen über die Damtierhaltung in der Praxis zu sammeln.

Mit nachdrücklichem Einsatz vom Prof. Dr. Günter Reinken wurde am 10. Mai 1978 unter dem Vorsitz von Herrn Friedrich Bommert und der Geschäftsführung von Dr. Christian Brüne (Landwirtschaftskammer Rheinland)  die Vereinigung Nordrhein-Westfälischer Damtierhalter e.V. gegründet.

Die Vereinigung Nordrhein-Westfälischer Damtierhalter hat in den nächsten Jahren unter der Führung von Herrn Bommert und durch die Fachberatung von Dr. Brüne dafür gesorgt, dass der neue Produktionszweig für die Nutzung des Grünlandes überall in NRW bekannt wurde. Die Zahl der Betriebe wuchs ständig, aber die weite Verbreitung wurde, trotz hohen Preisen für Zuchttiere, durch Tiermangel gebremst.

1980 veröffentliche Prof. Dr. Günter Reinken in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Wilhelm Hartfiel und Dr. Eckart Körner im Ulmer Verlag das Buch „Damtierhaltung“, welches bis heute die Grundlage für die Haltung vom Damwild im Gehege bildet.

Nach Wahl vom Prof. h.c. Karl-Hermann Krog aus Bad Salzuflen zum stellvertretenden Vorsitzende im Jahr 1982, wurden die Aktivitäten zur Rekrutierung neuer Mitglieder in der Vereinigung intensiviert, so dass bei der Gründung des Bundesverbandes für landwirtschaftliche Wildhaltung 1984 in der Vereinigung "Nordrhein-Westfälischer Damtierhalter" 120 Damtierhalter Mitglieder waren. Prof. h.c. Krog wurde zum Bundesvorsitzender gewählt.

Durch die Milchkontingentierung 1984 und Anpassung der Milchviehbestände an die zugewiesene Milchquote, sind Grünlandflächen frei geworden, die in vielen Fällen mit Damwild genutzt wurden. Da in den neu gegründeten Betrieben die Frage der Vermarktung der Tiere nicht von Anfang an in Vordergrund stand, sanken die Preise für Schlacht- und Zuchttiere auf ein Drittel der vorherigen Preisen. Viele Betriebe, die keine Direktvermarktung hatten, waren nicht mehr in der Lage, die produzierten Tiere zu dem erforderlichen Preis zur Deckung der Produktionskosten zu vermarkten. 1985 gab es in NRW über 700 und in Deutschland über 2000 Betriebe mit Damwildhaltung. Seitens der Vereinigung wurden Initiativen zum Aufkauf der Tiere, die nicht direkt vermarktet werden konnten und Vermarktung über anderen Betrieben, deren Absatz stärker als die Produktion war, unternommen.

Der Beschluss des Bundesverbandes vom September 1985 zur Umbenennung der "Damtierverbände" in "Damwildverbände" wurde später verworfen und die Landesverbände sollten selbst entscheiden, ob der Verband umbenannt wird.

Nach der Tschernobyl Katastrophe am 26. April 1986 war die Vermarktung vom Gehegewildfleisch noch problematischer, weil Wildfleisch oder Fleisch von Weidetieren besonders im Bayern radioaktiv belastet war. Obwohl die Untersuchungen vom Fleisch der Weidetiere in NRW gezeigt hatten, dass eine radioaktive Belastung nicht vorhanden war, wollten die Verbraucher, aus Angst, dieses Fleisch nur unter Vorbehalt kaufen. Es wurde erneut versucht, das Gehegewildfleisch gemeinsam über die Vereinigung zu vermarkten, aber dieser Initiative des Vorsitzenden Bommert standen die Mitglieder sehr ablehnend gegenüber.  

Bei der Jahreshauptversammlung am 24. April 1987 wurde nach Wiederwahl von Herrn Bommert als Vorsitzender und Herrn Krog als stellvertretender Vorsitzender Herr Franz Happe aus Rüthen anstelle von Josef Rüssmann im Vorstand aufgenommen.

In NRW war bis 2007 das Landschaftsgesetz (§ 67) Grundlage für die naturschutzrechtliche Genehmigung von Damtiergehegen. Dieser Paragraph war sehr allgemein gehalten, so dass er von den Genehmigungsbehörden sehr unterschiedlich ausgelegt war. Es gaben Behörden, die sehr liberal genehmigten, es gaben aber auch Behörden, die sehr stark jagdlich orientiert waren und in dieser Hinsicht unsinnige Auflagen machten und es gaben Behörden, die sich über jedes Damtiergehege freuten, da sie hierdurch große Auflagen für die Eingrünung machen konnten. Aufgrund dieser Situation hat der Vorstand gemeinsam mit Prof. Dr. Günter Reinken von der Landwirtschaftskammer Rheinland Anfang 1987 um ein Gespräch beim Staatssekretär Bentrup im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nachgesucht. Dem Staatssekretär wurde die Problematik erläutert und im Nachgang zu diesem Gespräch erfolgte ein Erlass zur Damtierhaltung, der einige Malle gebessert wurde und Jahre lang für eine einheitliche und sinnvolle Genehmigung von Gehegen in NRW sorgte.

Bei der Mitgliederversammlung am 8. Juni 1990 wurde Herr Prof. h.c. Karl-Hermann Krog zum Vorsitzenden der "Vereinigung Nordrhein-Westfälischer Damtierhalter" gewählt. Der alte Vorsitzende Herr Bommert hatte bei der Vorstandssitzung am 12. April 1990 angekündigt, dass er aus gesundheitlichen Gründen für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung steht. Herr Franz Happe wurde als stellvertretender Vorsitzende und Herr Bernhard Plogmaker als neues Vorstandsmitglied aufgenommen.  Am 05. Juni 1990 starb Friedrich Bommert, der seit der Gründung der Vereinigung 1978 den Vorsitz übernommen hatte.

Versuche des Vorstandes in den Jahren 1991 und 1992, in Gesprächen mit dem Staatssekretär Dr. Bentrup vom Ministerium für Umwelt, Raumordnung, Land- und Forstwirtschaft des Landes NRW eine Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens bei der Errichtung von landwirtschaftlichen Damtiergehegen zu erwirken, brachten keine positiven Ergebnisse. Die Genehmigung der Errichtung oder Erweiterung von Damtiergehegen durch die zuständige Landwirtschaftskammer oder die Kontrolle seitens der Landwirtschaftskammer bei der vorgesehenen Einführung eines Damwild-Gütesiegels wurden vom Staatssekretär Dr. Bentrup abgelehnt.

Die Arbeit der Vereinigung, die Beratung der Betriebe und die durchgeführten Lehrgänge trugen dazu bei, dass 1993 178 Mitglieder im Verein beigetreten waren.

Zu der Mitgliederversammlung am 20. März 1993 stellte Herr Franz Happe den Antrag den Namen "Vereinigung Nordrhein-Westfälischer Damtierhalter e. V." in "Verband Landwirtschaftlicher Wildhalter Nordrhein-Westfalen" zu ändern. Die Mitgliederversammlung hat den Vorschlag einstimmig beschlossen. Gleichzeitig wurde der Antrag gestellt, den Vorstand von drei auf vier Personen zu vergrößern.  Die Mitgliederversammlung wählte Herrn Kurt Mittler aus Waldbröl im Rheinland als Vorstandsmitglied.

Ende 1992 und Anfang 1993 führte der Vorsitzende Prof. h.c. Karl-Hermann Krog, unterstützt von den Vorstandsmitgliedern und vom Prof. Dr. Günter Reinken, intensive Verhandlungen mit dem Ministerium für Umwelt, Raumordnung, Land- und Forstwirtschaft des Landes NRW zur Änderung des Erlasses zur landwirtschaftlichen Wildhaltung, der nicht mehr den aktuellen Erfordernissen entsprach. Der Vorstand fand diesmal beim Ministerium ein offenes Ohr und es kam ein neuer Erlass zur landwirtschaftlichen Damwildhaltung zustande. Mit dem neuen Erlass wurden die Genehmigungsbehörden stärker gebunden und damit die große Zahl von Genehmigungsauflagen verhindert. Des Weiteren wurde auch die Frage der Eingrünung der Damwildgehegen zugunsten der Antragsteller neu geregelt.

Mit Antrag vom 01.03.1995 hat Herr Franz Happe vorgeschlagen, Herrn Prof. Dr. Günter Reinken zum Ehrenmitglied des Landesverbandes zu ernennen. Bei der Mitgliederversammlung am 18. März 1995 wurde Herr Prof. Dr. Reinken einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Bei der gleichen Mitgliederversammlung ist auch einstimmig über die Fassung einer Resolution zur Änderung des Naturschutzgesetzes (§ 24) abgestimmt worden. Dieser § 24 ist bis 2007 die Grundlage für das Landschaftsgesetz NRW (§ 67) zur naturschutzrechtlichen Genehmigung von landwirtschaftlichen Wildgehegen geblieben.

Bei der Mitgliederversammlung am 16. März 1996 wurde Herr Dr. Christian Brüne von seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Verbandes verabschiedet und als neuer Geschäftsführer Herr Dr. Wilhelm Zähres vorgestellt. In seiner Rede würdigte Prof. h.c. Karl-Hermann Krog als Vorsitzender des Verbandes die Tätigkeit und das Engagement von Dr. Brüne in der Führung und Entwicklung des Verbandes. In seiner 18-jährigen Tätigkeit als Geschäftsführer hat Herr Dr. Brüne aufgrund seines Fachwissens viel für die landwirtschaftliche Wildhaltung in NRW und bundesweit geleistet und erreicht. Herr Dr. Zähres als neuer Geschäftsführer ist gleichzeitig auch Geschäftsführer der Lehr- und Versuchsanstalt Haus Riswick in Kleve der Landwirtschaftskammer Rheinland.

Mit der Änderung der Geschäftsführung  wurde auch der Sitz des Landesverbandes von Bonn nach Kleve verlegt. Die Satzung des Verbandes wurde entsprechend geändert und von der Mitgliederversammlung einstimmig genehmigt.

Unter der Geschäftsführung von Dr. Zähres in Zusammenarbeit mit dem Vorstand wurden die Kontakte zum Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft aufrechterhalten und einige Schwierigkeiten in der Genehmigungspraxis für landwirtschaftlichen Gehegen zugunsten der Antragsteller geändert.

Aufgrund seiner Aufgaben als Vorsitzender des Bundesverbandes für landwirtschaftliche Wildhaltung stand Herr Prof. h.c. Karl-Hermann Krog ab 01.01.2000 nicht mehr für die Wiederwahl als Vorsitzender des Landesverbandes NRW zur Verfügung. Er wollte weiter im Vorstand mitarbeiten und den Landesverband unterstützen. Bei der Jahreshauptversammlung am 15. April 2000 wurde Herr Franz Happe als Vorsitzender, Herr Hugo Valeske als stellvertretender Vorsitzende und Herr Karl-Hermann Krog, Herr Bernhard Plogmaker und Herr Franz Tenckhoff als Beisitzer gewählt.

Die BSE-Krise von 2001 hat gravierende Auswirkungen auf alle Bereiche der Fleischerzeugung und –vermarktung gehabt. Für die landwirtschaftliche Wildhaltung, die von solchen Skandalen verschont blieb, ergab sich die Chance die Vermarktung des Fleisches anzukurbeln und die Fleischpreise zu erhöhen.

Ab 2003 stand Herr Franz Happe als Vorsitzender des Verbandes nicht mehr zur Verfügung. Er wollte aber weiter im Vorstand mitarbeiten und den Verband unterstützen. Bei der Jahreshauptversammlung am 30. März 2003 wurde Herr Hugo Valeske als Vorsitzender, Herr Franz Happe als stellvertretender Vorsitzende und zu den alten Beisitzer wurde Herr Friedrich-Wilhelm Hilkemeier aus Lemgo als neues Vorstandsmitglied gewählt.

Ab 2005 stand Dr. Wilhelm Zähres aufgrund seiner Versetzung in den Ruhestand nicht mehr als Geschäftsführer zur Verfügung. Bei der Jahreshauptversammlung am 20. März 2005 wurde Dr. Zähres verabschiedet und Herr Ionel Constantin als Nachfolger vom Vorstand bestätigt. Der Vorsitzende Hugo Valeske würdigte in seiner Rede die von Dr. Zähres geleistete Arbeit und bedankte sich bei ihm im Namen des Verbandes für das unermüdliche Engagement, welches er in seiner 10-jährigen Tätigkeit geleistet hat. Der Nachfolger Dipl. Agr. Ing. Ionel Constantin ist Ausbildungsleiter, Referent für Kleinwiederkäuerhaltung und stellvertretender Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt Haus Riswick in Kleve.

Bei der Umsetzung der EU-Zoorichtlinie wurde § 24 Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) abgeschafft. Nach der Novellierung des BNatschG wurde nach jahrelanger Verbandsarbeit am 30.04.2004 in NRW § 67 Landschaftsgesetz (LG NRW) entsprechend geändert. Damit wurden Damwildgehegen zur Fleischerzeugung nicht mehr als Tiergehegen eingestuft, sondern als landwirtschaftliche Nutztierhaltung (§ 67 Abs. 1 LG NRW) und wurden deshalb von der naturschutzrechtlichen Genehmigungspflicht befreit. Damwildgehegen für Hobbyhaltung, sowie die Haltung von Rot-, Sika-, oder Schwarzwild im Gehege waren weiterhin naturschutzrechtlich genehmigungspflichtig. Vorstand und Geschäftsführung sollten sich beim Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschurz NRW dafür einsetzen, dass die Befreiung von der naturschutzrechtlichen Genehmigung für alle Schalenwildarten gelten sollte. 

Durch die Arbeit des Verbandes wurde ab 1. Januar 2006 eine Gehegewildkasse eingerichtet. Damit wurde der Forderung der Gehegewildhalter entsprochen, die insbesondere unter dem Eindruck des MKS-Seuchenzuges 2001 eine existenzielle Bedrohung unserer Tierbestände fürchteten. Bei der Novellierung des Tierseuchengesetzes hat sich das Land NRW dafür eingesetzt, dass die rechtlichen Voraussetzungen für die Einrichtung einer Gehegewildkasse geschaffen wurden. Die Beiträge, die am Anfang 1,50 €/Tier betrugen, wurden durch Einsatz des Vorstandes und der Geschäftsführung des Verbandes auf 1,00 €/Tier reduziert und sind bis 2016 stabil geblieben. 

Am 12.12.2005 wurde das Tierarzneimittelgesetz geändert. Jeder Betrieb mit Tierhaltung (auch mit Gehegewild) musste ein Medikamentenbuch führen, wo alle tierärztlichen Behandlungen und die Anwendung von Medikamenten eingetragen werden mussten. Mit Wirkung von 06.07.2007 wurde auch die Viehverkehrsverordnung (ViehVerkV) geändert, die in den §§ 29 und 46 die Registrierung der Betriebe, die Klauentiere halten (damit auch Dam-, Sika-, Rot- und Schwarzwild), und die Kennzeichnung dieser Tiere regelt. Alle Gehegewildhalter mussten spätestens bei Beginn der Tätigkeit den Betrieb der zuständigen Behörde anzeigen, ein Bestandsregister (Bestandsbuch) mit Angaben über den Wildbestand, Zugänge und Abgänge führen und beim Verkauf von Tieren ein Begleitpapier als Transportdokument dem Käufer aushändigen. Die Geschäftsstelle hat beispielhaft die angeforderten Unterlagen erstellt und an die Mitglieder verteilt. 

Ab 01.01.2006 wurden in Deutschland die Vorschriften des „EU-Hygienepaketes“ wirksam. Damit wurden die EU-Verordnungen 852/2004, 853/2004 und 854/2004 in Bundesrecht übertragen. Die Gehegewildhalter als Lebensmittelproduzenten mussten ihre Betriebe anmelden und für die Schlachtung und Zerlegung des Wildes mussten die Schlachtstätten eine EU-Zulassung haben. Zusätzlich mussten in jedem Schlachtbetrieb die vorgeschriebene Dokumentation für die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel erstellt und zur Gefahrenbeherrschung betriebliche Eigenkontrollen nach den Grundsätzen des HACCP-Systems (Hazard Analysis and Critical Control Points) durchgeführt werden.

Bei der Jahreshauptversammlung am 22.01.2006 wurde Herr Friedrich-Wilhelm Hilkemeier als stellvertretender Vorsitzende gewählt. Herr Werner Jandorf wurde einstimmig als Beisitzer im Vorstand aufgenommen.

Durch die Änderung der Viehverkehrsverordnung (ViehVerkV) am 06.07.2007 wurde in §§ 29 und 46 die Registrierung der Betriebe, die Klauentiere halten (damit auch Dam- und Rotwild) und Kennzeichnung dieser Tiere geregelt. Durch den Einsatz des Bundesverbandes für landwirtschaftliche Wildhaltung und der Landesverbände wurde die ViehVerkV so geändert, dass die Kennzeichnung vom Gehegewild und Kameliden nicht mehr erforderlich wurde. Alle anderen Vorschriften der ViehVerkV müssten auch von Gehegeinhabern beachtet werden. Jeder Gehegebetreiber musste ein Bestandsregister (Gehegebuch) mit Angaben über den Wildbestand, Abgänge und Zugänge führen und beim Verkauf von Tieren musste dem Käufer ein Begleitpapier ausgehändigt werden.  Für die Mitglieder des Landesverbandes wurden entsprechende Unterlagen (Formulare) angefertigt und zur Verfügung gestellt.

Bis zum 01.01.2006 wurde Gehege­wild fleischhygienerechtlich als landwirtschaftliche Nutztiere behandelt. In dem Anhang I Nr.1.5 und 1.6 der Verordnung (EG) 853/2004 wird beim Gehegewild Unterschiede zwi­schen „Farmwild“ und „wie freilebendes Wild“ definiert. Nach Anhang I Nr. 1.5 gelten als „frei lebendes Wild“ auch Säugetiere, die in einem geschlossenen Gehege unter ähnlichen Bedingungen leben, wie Wild aus der freien Wildbahn. Durch Erlass des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucher­schutz Nordrhein-Westfalen vom 4. September 2007 wurde die Einstufung von landwirtschaftlichen Gehegen bei Einhaltung bestimmten Voraussetzungen  ermöglicht.

Bei der Änderung der tierischen Lebensmittel-Hygieneverordnung (Tier-LMHV) am 08.08.2007 wurde die Möglichkeit geschaffen, dass in Wildfarmen mit einem geringen Produktionsvolumen (50 Schlachttiere/Jahr) gemäß § 12a Tier-LMHV i. V. mit § 7b Tierische Überwachungs-Verordnung (Tier-LMÜV) die Schlachttieruntersuchung nicht innerhalb von 24 Stunden, jedoch innerhalb von 28 Tagen vor der Schlachtung vom amtlichen Tierarzt durchgeführt werden musste. Die Schlachttieruntersuchung vor dem Schuss konnte vom Gehegeinhaber durchgeführt werden, wenn er die Kenntnisse einer kundigen Person nach Anhang III Abschnitt IV Kapitel I der VO (EG) 853/2004 besitzt.

Seitens des Landesverbandes wurden Programm und Seminarunterlagen für die Ausbildung zur kundigen Person ausgearbeitet und Sachkundelehrgänge mit abschließender Prüfung angeboten.

Am 11.02.2009 wurde die nationale Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) als Durchführungsverordnung zur VO (EG) Nr. 1/2005 verabschiedet. Nach § 4 Abs. 1 Ziffer 2 der TierSchTrV mussten alle Tierhalter (auch Gehegewildhalter), die eigene Tiere über 65 km und unter 8 Stunden transportieren wollten, für die Erteilung einer Transportgenehmigung seitens des Veterinäramtes, sachkundig sein. Der Landesverband NRW hat für alle Gehegewildhalter Sachkundelehrgänge mit abschließender Prüfung organisiert und durchgeführt, so dass alle Teilnehmer im Besitz einer Sachkundebescheinigung sein konnten.

Bei der Mitgliederversammlung am 15.03.2009 wurde Rolf Humbach aus Bergkamen als neuer Vorsitzende des Landesverbandes und der Altvorstzende Hugo Valeske als stellvertretender Vorsitzende gewählt. Als Beisitzer wurden André Zimmer, Bernhard Plogmaker, Werner Jandorf und Uwe Borgolte gewählt.

Aufgrund des Einsatzes vom Prof. Karl-Hermann Krog wurde mit dem Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen einen Besprechungstermin am 18.11.2010 vereinbart. Grund dieser Zusammenkunft war die unterschiedliche Vorgehensweise der Kreispolizeibehörden bei der Erteilung einer Schießgenehmigung für die Tötung vom Gehegewild mit der Waffe im Gehege, sowie die unterschiedlichen Auflagen seitens der Kreispolizei. Obwohl die Tötung vom Gehegewild mit der Waffe in der Anlage 3 der Tierschutzschlachtverordnung von 13.04.2006 geregelt war, handelte die Polizeibehörde nach einem Erlass des Ministerium der Inneren von 1983, weil angeblich dieser Erlass für sie bindend war. Bei der Besprechung mit Vertreter des Ministeriums hat der Landesverband erreicht, dass am 08.02.2011 einen neuen Erlass für die Tötung vom Gehegewild mit der Waffe unter Berücksichtigung der Tierschutzschlachtverordnung verabschiedet wurde, so dass die Polizeibehörde bei der Erteilung einer Schießgenehmigung gleiche Entscheidungen und Auflagen treffen und machen mussten.

Auf Initiative des Landesverbandes fand am 15.11.2011 eine Besprechung in Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturschutz und Verbraucherschutz NRW mit dem Ziel auf Einladung des Ministeriums ein Arbeitstreffen mit allen Veterinärämtern zu organisieren, damit eine gleiche Vorgehensweise bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften zur Gehegewildhaltung und bei der Schlachtung und Vermarktung vom Gehegewild zu erreichen. Die geplante Arbeitstagung mit den Veterinärämtern fand am 12.03.2012 in Düsseldorf mit einem schlechten Ergebnis für die Gehegewildhaltung in NRW. Der Erlass für die Einstufung von landwirtschaftlichen Gehegen als Gehegen für frei lebendes Wild wurde aufgehoben und für die EU-Zulassung von Schlachtstätten für Gehegewild wurde eine Leitlinie erlassen, die für die Gehegewildhalter nicht akzeptabel war.

Am 06.07.2011 fand nach ca. 5 Jahren wieder einen Sachkundelehrgang für die Tötung vom Gehegewild mit der Waffe bei der DEVA in Altenbeken statt. Bei einer Besprechung mit Vertreter der DEVA wurde vom Landesverband NRW angeregt die Zulassung für die Durchführung von Sachkundelehrgängen für die Tötung vom Gehegewild mit Kaliber 5,6 mm gemäß Tierschutzschlachtverordnung beim Innenministerium zu beantragen, damit die Gehegewildhalter in NRW den Lehrgang nicht mehr in anderen Bundesländern absolvieren müssen.

Bei der Mitgliederversammlung am 18.03.2012 wurde Rolf Humbach erneut als Vorsitzender des Landesverbandes gewählt und Uwe Joerß aus Solingen, der auch für den Vorsitz des Landesverbandes kandidierte, als stellvertretender Vorsitzender gewählt, weil Hugo Valeske aus Altersgründen für das Amt nicht mehr zur Verfügung stand. Als Beisitzer wurden André Zimmer (Beverungen), Werner Jandorf (Hürtgenwald), Friedhelm Gerling (Hamm) und als Schatzmeister Uwe Borgolte (Bad Salzuflen) gewählt.

Kurz vor der Vorstandsitzung am 16.04.2012 hat Rolf Humbach aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt vom Amt des 1. Vorsitzenden schriftlich erklärt und zum Jahresende die Mitgliedschaft im Landesverband gekündigt.

Nach Rücktritt des 1. Vorsitzenden beschloss der Vorstand einstimmig (gemäß § 7, Abs. 3 Nr. 1 der Satzung) den stellvertretenden Vorsitzender Uwe Joerß als kommissarischer Vorsitzenden und André Zimmer als stellvertretender Vorsitzenden bis zur nächsten Mitgliederversammlung einzuberufen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung sollte einen neuen Vorsitzende und seinen Stellvertreter für den Rest der laufenden Wahlperiode (2 Jahre) gewählt werden. Bei der Mitgliederversammlung am 21.03.2013 wurde Uwe Joerß für die restlichen 2 Jahre der Wahlperiode zum Vorsitzenden gewählt. Für die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden für die restlichen 2 Jahre der Wahlperiode kandidierte nur Andrè Zimmer. Er wurde einstimmig von den anwesenden Mitgliedern gewählt. Als neuer Beisitzer wurde Herr Josef Allendorf aus Nottuln einstimmig gewählt.

Am 20.12.2012 wurde die neue Tierschutz-Schlachtverordnung (TierSchlV) verabschiedet und ab 01.01.2013 in kraft getreten. Gemäß § 4 TierSchlV i. V. mit der VO (EG) 1099/2009 musste jede Person, die Tiere betreut, ruhigstellt, betäubt, schlachtet oder tötet über die hierfür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten (Sachkunde) verfügen. Die Sachkundigkeit konnte man im Rahmen eines Sachkundelehrganges mit abschließenden mündlicher und schriftlicher Prüfung erworben werden. Der Landesverband NRW konnte als zuständige Stelle dieser Sachkundelehrgang durchführen, dessen Inhalte und die prüfungsrelevanten Fragen vom MKULNV genehmigt werden mussten. Mit einem erheblichen Arbeitsaufwand haben Ionel Constantin (Geschäftsführer Landesverband NRW) und Dr. Marek Steigert (Veterinäramt Mettmann) die geforderten Unterlagen nicht nur für die Genehmigung des Sachkundelehrganges gemäß § 4 TierSchlV sondern auch für die Genehmigung eines Sachkundelehrganges für die Immobilisation von Gehegewild und Rindern gemäß § 5 Tierschutzgesetz angefertigt und dem Ministerium zur Genehmigung vorgelegt. Die Genehmigung des MKULNV wurde ohne Beanstandungen erteilt, so dass der Sachkundelehrgang gemäß § 4 TierSchlV und zum ersten Mal in der Geschichte des Landesverbandes NRW auch einen Sachkundelehrgang für die Immobilisation von Gehegewild und Rindern durchgeführt werden konnten.

Trotz mehreren Versuchen ist dem Landesverband nicht gelungen eine Änderung des Erlasses für die Eistufung von landwirtschaftlichen Gehegen als Gehegen für frei lebendes Wild zu erreichen. Bei einer Besprechung in MKULNV im Januar 2015 haben Vertreter des Ministeriums zugesagt eine vom Verband ausgearbeitete Leitlinie für die EU-Zulassung von Schlachtstätten für Gehegewild mit den Mindestanforderungen, die seitens des Verbandes akzeptabel wären, zu akzeptieren und nach einer interner Besprechung sollte ein Kompromiss ausgearbeitet werden, das für beide Parteien getragen werden konnte. Diese Leitlinie sollte den Veterinärämtern in NRW bekannt gemacht werden. Außerdem haben sie versprochen, dass bei Problemen mit den Veterinärämtern bei der EU-Zulassung sie sich dafür einzusetzen, dass alle bisher registrierten Schlachtstätten mit minimalen Auflagen eine EU-Zulassung bekommen.

Bei der Vorstandssitzung am 21.02.2015 wurden unter anderen auch über das Programm und die Bereitschaft der Vorstandsmitglieder für die Wiederwahl bei der nächsten Mitgliederversammlung diskutiert. Alle Vorstandsmitglieder waren bereit erneut zu kandidieren wobei der Vorsitzende Uwe Joerß eigene Vorstellungen für die Verteilung der Ämter im Vorstand hatte.

Bei der Mitgliederversammlung am 26.04.2015 wurden Uwe Joerß, Werner Jandorf und Ionel Constantin aus der Mitte der Versammlung für das Amt des Vorsitzenden vorgeschlagen. Alle vorgeschlagenen Mitglieder erklärten sich für die Kandidatur bereit. Es Erfolgte Geheimwahl. Mit der Stimmenmehrheit  wurde Ionel Constantin zum neuen Vorsitzenden des Verbandes landwirtschaftlichen Wildhalter NRW gewählt.  André Zimmer wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden und als  Beisitzer wurden Josef Allendorf und Herr Werner Jandorf  per Akklamation  gewählt.  Als neue Beisitzer und Schatzmeister wurde Paul Sieler aus Wenden gewählt, weil Uwe Borgolte kurzfristig seine Kandidatur für das Amt des Schatzmeisters zurückgezogen hatte.

Der neugewählte Vorstand hatte sich für die Wahlperiode viel vorgenommen. Wichtig war die Erstellung einer Homepage für den Landesverband NRW und die Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Ministerium in Düsseldorf, um Erleichterungen für die Gehegewildhalter zu erreichen. Bis Ende 2015 war die Erstellung der Homepage des Landesverbandes vollzogen und in Zusammenarbeit mit dem MKULNV in Düsseldorf wurden eine Leitlinie für die EU-Zulassung von Schlachtstäten und eine Leitlinie für die Gehegewildhaltung als Orientierungshilfen für Gehegewildhalter und Behörden verabschiedet.

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